Vergeben

Über Adolf Eichmann meinte ich das meiste bereits zu wissen. Nun habe ich noch erfahren, wie er hingerichtet wurde. Obwohl ich das gar nicht wissen wollte, erfuhr ich auch die näheren Einzelheiten. Ein jüdischer Gefängniswärter jemenitischer Abstammung habe den verurteilten Massenmörder aufgehangen. Nagar heißt er und trägt den sinnigen Vornamen Schalom. „Sein Gesicht war aschfahl, die Zunge war aus dem Mund gequollen und voller Blut“, erinnert sich der Henker heute an den Anblick des Toten, als er im Mai 1962 das Todesurteil vollstreckte.

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Größe

So sieht Würde, so sieht Demut, so sieht Größe aus. Der japanische Kaiser und seine Gattin erschienen in einer Notunterkunft für Opfer des Tsunami. Beide knieten in einer Behelfsunterkunft vor und mit den Menschen nieder. »Der Mensch ist dann am größten, wenn er kniet« meinte einmal Papst Johannes XXIII. Hier hätte er den Beweis in Augenschein nehmen können. Der Vertreter eines jahrtausendealten kaiserlichen Geschlechtes, das sich als Abkömmling des Sonnengottes versteht, macht sich vor den Überlebenden einer verheerenden Naturkatastrophe klein. Wodurch die wiederum groß werden.

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Prinzipienlos

Der UN Generalsekretär nannte die Abstimmung über die Flugverbotszone in Libyen historisch. Das ist sie auch. Jedenfalls für Deutschland. Der Vertreter der Bundesrepublik erhob zusammen mit Russland und China seine Hand – und enthielt sich. Welch ein Offenbarungseid.

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Lokführersteik

Ob Spanien zum Vorbild taugt, sollte man zumindest einmal prüfen. Ich denke da weniger an die Verhältnisse im iberischen Bankensektor. Doch für die Form, wie man mit spezialisierten Streikenden umgeht, die ein ganzes Land unter Druck setzen können, hat die Regierung Zapatero womöglich eine Blaupause geliefert.

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Nachhaltig

Mit dem Brandenburger Sand im Lebensgetriebe bin ich für den Karneval eine verlorene Seele. Aber dass der schöne Geschichten schreibt, weiß ich spätestens seit einem Familienwochenende für Angehörige der polizeilichen Spezialeinheiten.

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Arschlochfaktor

Der Vater redet Bullshit und der Sohn hat beschissen. Wenn Sie jetzt einwenden, das sei zu drastisch, und in einem Blog, der sich mit ethischen Fragen befasst, möchten Sie solche Fäkalsprache nicht finden, stimme ich Ihnen eigentlich zu. Doch der besondere Fall schreit förmlich nach einer drastische Ausdrucksweise.

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Anschlag

Zur Lieblingsbeschäftigung der Deutschen gehört der Streit um Begriffe. Nach der Debatte, was denn ein Plagiat sei, lautet jetzt die Prüfungsfrage: »War es ein Terroranschlag?«. So die Bild-Zeitung heute. Etwas weniger reißerisch heißt es in SpiegelOnline: »Staatsanwaltschaft prüft Terrorverdacht«. Daraus wurde wenig später: „Bundesanwälte prüfen Terrorverdacht«. Langsam scheint es dramatisch zu werden. Ein Indiz dafür ist, dass sich die Bundesanwaltschaft des Falls angenommen hat.

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Innenminister

Nun haben wir Hans-Peter Friedrich von der CSU als neuen Innenminister. Er wird als relativ unbekannt bezeichnet und gilt als Strippenzieher im Hintergrund. Seit Januar habe ich mir seinen Namen und sein Gesicht gemerkt. Da fiel er mir als Charakterkopf auf.

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Missstand

Die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet unter dem 24.Februar, dass »das Bundeskriminalamt einen erschütternden Fall von Kindesmissbrauch« aufgedeckt habe. Ein Fotograf und ein Beamter der sächsischen Arbeitsagentur sollen sich an mehreren Kindern vergangen, sie dabei fotografiert und die Aufnahmen über das Internet verkauft haben. Einer von ihnen, heißt es in der Meldung weiter, habe auch versucht » in Thailand einen Porno in Auftrag zu geben, bei dem die Kinder nach dem Missbrauch erdrosselt werden sollten«. Die mutmaßlichen Täter gehörten » zu einem pädophilen Ring, dem das Bundeskriminalamt schon seit 2009 auf der Spur ist“.

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Ehrlos

Als Pubertierende haben wir uns über das Gebot lustig gemacht. Den Anfang zitierten wir noch korrekt »Du sollst Vater und Mutter ehren…« um dann fortzufahren: „Wenn sie dich hauen, sollst du dich wehren«. Unter Ehren konnten wir uns rein nichts vorstellen.

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